November-Gedanken

Ein Beitrag von Hexe Steffi
25 November 2018

November-Gedanken

Seit Tagen hüllt der November-Nebel unsere Gegend ein. Kein Sonnenstrahl schafft es mehr durch die dichte Wolkenmasse. Alles klingt gedämpft und fühlt sich etwas ruhiger an als sonst.

Eigentlich ganz schön, finde ich. Denn die Autos werden gezwungen etwas langsamer zu fahren und die Umwelt wieder stärker wahrzunehmen. Kein kopfloses dahinrasen mehr. Und weil der Mensch nicht mehr so weit sehen kann, wird der Fokus vermehrt auf ihn selbst gerichtet... und er fängt das Denken an.

Natürlich geht es mir nicht anders. Ich denke an den ganzen Vorweihnachtswahnsinn um mich herum. An den vielen Stress und an die Hektik.

Wie war Weihnachten früher bei mir zuhause?

  • ruhiger und besinnlicher

  • familiärer

  • bescheidener

  • zufriedener

  • glücklicher

Natürlich hatte meine Mutter sicher auch genügend Stress, um ein gutes Essen auf den Tisch zu bringen. Schließlich soll ja immer alles perfekt sein an so einem Tag.

Doch ich erinnere mich, dass wir am Heiligen Vormittag gemeinsam den Weihnachtsbaum geschmückt haben und am Abend als Familie immer zusammen in die Kirche gegangen sind, um uns dort das Krippenspiel anzusehen. Ein kleines Highlight in unserem winzigen Dorf. Doch irgendjemand blieb immer daheim und man erzählte uns die seltsamsten Gründe, warum diese Person nicht direkt mit uns mitgehen konnte. Die Oma kommt gleich nach oder die Mutter hatte noch etwas vergessen.

Nach dem Gottesdienst kam es oft vor, dass wir plötzlich Schnee bekamen, der vorher noch gar nicht da war. Welche Freude! So spazierten wir durch den Schnee wieder zurück in die warme Stube. Und – welch Wunder – der Weihnachtsmann war inzwischen auch schon da und hat uns Geschenke unter den Baum gelegt. Oft wurden am Klavier oder auf der Blockflöte Weihnachtslieder gespielt.

Weihnachten heute

  • überall Stress und Hektik

  • Streitereien um den richtigen Baum, um Geschenke und um Preise

  • viele sind mehr mit sich selbst beschäftigt oder mit dem Smartphone

  • es geht schon Monate vorher nur noch um Konsum

  • keine echte Freude mehr am Abend der Bescherung 

 

Von einer besinnlichen Vorweihnachtszeit mag ich gar nicht mehr sprechen. Denn aus dieser Zeit ist ein reines Rennen nach Geschenken geworden. Die Geschenke sollen groß und wertig aussehen, aber billig muss es sein. Und die Lieferzeiten dürfen nur noch Stunden betragen. Die Versandmaschinerie muss laufen... sollen die Versanddienstleister doch unterbezahlte Leiharbeiter und Aushilfen einstellen... mir doch egal – so denken viele - Hauptsache SCHNELL!

Die Menschen jagen nach Schnäppchen. Überall blinken Schilder mit dem roten SALE auf. Ein BLACK FRIDAY jagt die andere CYBER WEEK. Dicht gefolgt vom nächsten CYBER MONDAY, der – wer hätte das gedacht??? – auf die ganze nächste Woche verlängert wird.

BILLIG – BILLIG – BILLIG schreit es überall um einen herum.

Es wird gekauft und geshoppt bis zum völligen Konsum-Burn-Out! Ein absoluter Wahnsinn!

Was ist bloß mit den Menschen los?

Am liebsten würde ich einmal ganz laut STOPP schreien und die Zeit anhalten, damit die Massen, die sich in diesem Strom mitziehen lassen, einmal die Gelegenheit haben zu sehen, was da mit ihnen passiert.

Ich habe mal recherchiert: Ein Weihnachtsbaum braucht rund 8 Jahre um eine Größe zu erreichen, die uns in unserer guten Stube Recht ist. 8 lange Jahre! Und dann wird noch über den Preis von rund 20 Euro pro Meter geschimpft!

Ich selber bin sowieso eine Freundin davon, einen Baum im Topf zu besorgen und diesen dann wieder auszupflanzen. Dieser Baum steht dann aber auch nicht im stark beheizten Wohnzimmer. Schließlich möchte ich ja auch, dass er im nächsten Jahr leicht anwachsen und weiterleben kann.

Meine Wünsche zur Weihnachtszeit:

Nachhaltigkeit ist nicht nur eine Mode-Wort!

Nachhaltigkeit = längere Zeit anhaltene Wirkung

Fall` bitte nicht auf diese millionen Sale-Angebote rein. Vieles wird für diese Konsum-Zeit extra billig produziert und hält nicht besonders lange.

Kaufe verantwortungsbewusst ein und unterstütze damit kleinere Betriebe und Manufakturen. Ganz egal, ob in Deiner Nachbarschaft oder im Internet. Denn das ist oftmals eine WIN-WIN-Situation für beide Seiten. Denn gerade kleine Unternehmen, die wie wir auch noch selbst Hersteller sind, arbeiten nachhaltiger, als all die großen Konzerne, für die das Wort NACHHALTIGKEIT nur ein besseres Verkaufsargument ist.

Überlege Dir genau, was Du Deinen Lieben für Geschenke machst. Braucht die Person das wirklich? Welchen Nutzen hat sie dadurch? Muss es wirklich die 10te Plastikpuppe sein, die in den nächsten Jahren nur unsere sowieso schon viel zu großen Müllberge bereichern wird?

Vielleicht freut sich der/die Beschenkte auch wieder über einen warmen Strickpullover oder dicke Wollsocken. Ein handgesiedetes Stück Seife in Papierverpackung oder eine Creme OHNE Microplastik und in einem Glastiegel. Ein gutes Buch oder edle Pralinen. Vielleicht auch etwas selbstgemachtes!

Und das schönste Geschenk, welches Du Deinen Lieben bereiten kannst, ist sowieso ZEIT mit ihnen zu verbringen. Denn unsere Zeit auf Erden ist begrenzt. Und wenn wir weiter so durch die Jahre hetzen, werden wir uns im Alter umdrehen und fragen, wo all die Jahre geblieben sind.

Du hast jetzt die Chance die Notbremse zu ziehen. Halte an und besinn Dich wieder auf das Wesentliche.

Es ist noch nicht zu spät.

Ich wünsche mir zu Weihnachten, dass die Vernunft siegen wird und die Menschlicheit wieder mehr zutage tritt. Das wir alle dankbarer werden für das, was Mutter Erde uns zur Verfügung stellt. Das wir verständnisvoller mit unseren Mitmenschen umgehen und nicht so viel herummeckern, denn auch wir sind nicht fehlerfrei! Und das wir auch mit den Tieren artgerechter und liebevoller umgehen.

Ich weiß, dass wir das können.

 

Steffi aus der Hexenküche

 

Still wirds, wo das Licht sachte wird.

(© Beat Jan)